Wer ist der berühmteste Simtshäuser?

Der sicher bekannteste Simtshäuser ist der vermutlich 1486 als Sohn eines Müllers in Simtshausen geborene Euricius Cordus; hinter diesem lateinischen Namen verbirgt sich Heinrich, der jüngste Sohn des Müller Kurt/Conrad Halmberg/Hallenberg und seiner Frau Gela. „Cordus“ ist lateinisch und heißt „der Spätgeborene“; er war das 13. Kind seiner Eltern. In einer frühen Schrift nennt er sich „Ritze Symshusen“, wobei „Ritze/Reitz“ (ähnlich wie Heinz) eine Kurzform von „Heinrich“ ist. Der Zusatz „eu“ leitet sich vom griechischen Wort für „gut“ ab, d.h. „Euricius“ heißt also „der gute Heinrich“. Der eigentliche Name lautete also Heinrich Hallenberg(er), nicht „Solden“, wie früher aufgrund einer Namensverwechslung angenommen wurde.

Cordus erhielt vielleicht zunächst in Wetter in der Stiftsschule („Academiola Wetterana“) oder bei den Wiesenfelder Johannitern den ersten Unterricht. Später ging er in Frankenberg zur Schule und erhielt bei dem Lehrer Johannes Horlaeus eine gründliche Ausbildung in Latein, Musik und anderen Fächern. Der hochbegabte junge Mann studierte ab etwa 1505 an der Universität Erfurt, wo er sich dem hessischen Humanistenkreis anschloss und bald nach dem Studium auch die aus Frankenberg stammende Kunigunde Dünnwald (lateinisch: Ralla) heiratete. Nachkommen der sieben Kinder dieser Ehe lassen sich bis in die Gegenwart unter den Namen ‚Sprockhoff’ und ‚Dedekind’ vor allem in Niedersachsen verfolgen. Zunächst als Lehrer in Erfurt tätig, wurde Cordus dann ab etwa 1511 Lehrer in Kassel, wo er und seine Frau auch dem Landgrafen Philipp und dessen Schwester Elisabeth Privatunterricht erteilten. Bereits in dieser Zeit verfasste Cordus eine ganze Reihe von Dichtungen in lateinischer Sprache, von denen die sog. Epigramme, zweizeilige Kurzgedichte wegen ihres scharfen satirischen Witzes und sozialkritischen Inhalts bis heute berühmt sind; einige von ihnen hat der Dichter Gotthold Ephraim Lessing übersetzt.

Nachdem Cordus durch einen begüterten Freund die Möglichkeit erhalten hatte, ab 1518 in Ferrara in Mittelitalien Medizin zu studieren, arbeitete er als Arzt u.a. in Braunschweig und Emden und wurde 1527 zu ersten Professor für Medizin an die neu gegründete Universität Marburg berufen. Dort schrieb er unter anderem in Latein ein Lehrbuch der Botanik („Botanologicon“), das in Gesprächsform vom Gebrauch der Heilpflanzen berichtet. Weitere kleinere Schriften mehr praktischen Inhalts hat er auf Deutsch verfasst, so „Ein Regiment wider den Englischen Schweiß“, eine bis heute rätselhafte Infektionskrankheit, die um 1530 in Marburg grassierte.

Er war Dekan der Medizinischen Fakultät und Rektor der Universität, für die er Siegel und Zepter als Zeichen der akademischen Freiheiten anschaffen ließ und sorgte für die Auslagerung der Universität nach Frankenberg während einer Pestepidemie.

Titel zweier Bücher von Euricius Cordus, links: Botanologicon, ein lateinisches Lehrgedicht über Heilpflanzen, rechts: Das „Regiment“ … wider den „Englischen Schweiß“

 

Das unter Cordus angeschaffte Siegel der Marburger Medizinischen Fakultät zeigt den griechischen Arzt Hippokrates als akademischen Lehrer.