Willi Höcker aus Simtshausen hat sich intensiv mit der Baugeschichte des Orts befasst und hier seine Forschungsergebnisse für die Gemeinschaftseinrichtungen im Ort und einzelne Häuser zur Verfügung gestellt. 

Der Bahnhof ohne Hausnummer  

Der Bahnhof von Simtshausen wurde anlässlich der Errichtung der Bahnstrecke Sarnau- Frankenberg ca. 1888-1889 erbaut. Es ist das zweite Massivhaus und das erste in Klinkerbauweise in Simtshausen erbaute. Wenn man bedenkt, dass am 8. April 1886 der Bau der Strecke genehmigt wurde und die Strecke schon am 30. Juni 1890 feierlich eingeweiht werden konnte, wobei alle Bahnhöfe, das sind: Frankenberg, Birkenbringhausen, Ernsthausen, Münchhausen, Simtshausen und Wetter fertiggestellt waren, müssen wir die organisatorische Meisterleistung bewundern.

Der Bau der sechs Bahnhöfe war mit 307.000,- Mark veranschlagt, die Gesamtkosten, der Strecke einschließlich des Grunderwerbs waren mit 1.950.000,- Mark veranschlagt. (Ob der Kostenvoranschlag eingehalten werden konnte, entzieht sich meiner Kenntnis)Alle Bahnhöfe wurden in der typischen Klinkerbauweise errichtet.Weil der Bahnbetrieb staatlich war, unterlagen die Bahnhöfe nicht derBrandversicherungspflicht und hatten deshalb auch keine Hausnummern.Der Personenverkehr war wegen der Geldknappheit bei großen Teilen der Bevölkerung anfangs doch sehr bescheiden. Eine einfache Fahrt von Ernsthausen nach Frankenberg, das sind 11,3 km, kostete beispielsweise 1890. immerhin 25 Pfennige.

Erst nach und nach gewöhnte sich die Bevölkerung an die neue Mobilität, welche auch neue Verdienstmöglichkeiten schuf. Der Bahnhof von Simtshausen wurde von der Bevölkerung von Simtshausen, Todenhausen, Niederasphe, Oberasphe und Frohnhausen genutzt.Nach dem 2. Weltkrieg hatte der Personenverkehr seine stärkste Zeit, die Zahl der Einwohner war durch Evakuierte, Flüchtlinge und Ausgebombte sprunghaft gestiegen; jeder versuchte, Geld zu verdienen, und ein eigenes Kraftfahrzeug war für die Allermeisten ein unerschwinglicher Luxusartikel. Mit den fünfziger Jahren begann die Motorisierung. Wer es sich leisten konnte fuhr ein Motorrad, später so ab 1960 wurden mehr und mehr Autos angeschafft. Bei zunehmender Motorisierung ging der Personenverkehr stark zurück und wurde für die Bahn unrentabel. Der Verkauf von Fahrkarten wurde schließlich eingestellt und das Bahnhofspersonal wegrationalisiert.Das Bahnhofsgebäude wurde an Herrn Dörr aus Sterzhausen verkauft, der das Gebäude zumTeil als Antiquitätenlager nutzte, Die ehemalige Dienstwohnung wurde zur Unterbringung von Flüchtlingen aus dem ehemaligen Jugoslawien genutzt. 

Der Güterumschlag per Bahn war anfangs in unserem strukturschwachen Gebiet ziemlich gering, doch kontinuierlich steigerte er sich bis in die sechziger Jahre. Als der Güterverkehr auf der Straße rentabler, weil mobiler und preisgünstiger wurde, ging er deutlich zurück und wurde auf dem Bahnhof Simtshausen ganz eingestellt. Die abgehende Fracht hatte hauptsächlich aus Grubenholz, landwirtschaftlichen Produkten wie Schlachtvieh usw. bestanden. Das Schlachtvieh wurde samstags verladen und am Montagmorgen auf dem Frankfurter Schlachtviehmarkt versteigert. Die ankommende Fracht bestand aus Baustoffen aller Art, Düngemitteln, Kohlen, Saatkartoffeln und landwirtschaftlichen Geräten.Bei ankommenden Stückgutsendungen wurde man benachrichtigt (man erhielt ein Avis) und man musste diese innerhalb einer bestimmten Frist abholen.Lagerschuppen auf dem Bahnhof unterhielten die Firma Groß, sowie die Raiffeisenkassen Niederasphe und Oberasphe. Erwähnenswert ist noch der Fliegerangriff vom 21. 01 1945 auf den Bahnhof Simtshausenbei dem zwei Benzintanks in Brand geschossen wurden, die aber zum Glück nicht explodierten.

Eine Bombe fiel auf die Hauptstraße vor Haus Nr. 65, riss einen ca. 2 m tiefen Krater, beschädigte die Wasserleitung, ließ viele Fensterscheiben zu Bruch gehen und beschädigte die Dächer der umstehenden Gebäude. Eine Bombe schlug in das Feld ein,  undzwei Blindgänger landeten in der Wiese. Personenschäden gab es nicht. 

Hier sehen wir das Bahnhofsgebäude in
einem erbärmlichen Zustand(linkes Foto),
der Gleiskörper für das Ausweichgleis ist bereits abgebaut. Das Foto ist in den 90er Jahren entstanden. 

 

Das rechte Bild zeigt eine Postkartenaufnahme.Sie ist nach 1932 entstanden, denn an dem zweiten Pfeiler von rechts,ist ein Handwaschbecken zu erkennen, über dem ein Wasserhahn angebracht ist.